18.03.2022

Weibliche Beckenbodenschwäche

Ein Artikel gesschrieben von Dr. med. Si Tuan Truong, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe im Marien Hospital Papenburg Aschendorf

Der Beckenboden besteht aus Bindegewebe, Bänder und Muskulatur. Er funktioniert wie ein Halteapparat für die Organe im Becken. Bei Frauen kann es aus ganz unterschiedlichen Gründen zu einer Beckenbodenschwäche kommen und damit zur Senkung von Beckenorganen wie Gebärmutter, Blase, Scheide oder Mastdarm. Da die Organe miteinander verbunden sind, sinken sie oft zusammen ab.

Eine leichte Beckenbodenschwäche verursacht oft gar keine Beschwerden. Sinken die Organe aber stärker ab, kann es zu folgenden Problemen kommen: Druck- und Fremdkörpergefühl im Unterleib, ungewollter Urinverlust, häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, ziehende Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Probleme beim Stuhlgang, Rücken- und Kreuzschmerzen oder Druckgeschwüre und Blutungen in der Scheide.

Ursachen
Der Grund könnte eine erblich bedingte Bindegewebeschwäche sein. Dies ist auch häufig der Fall im hohen Alter, da unter anderem Muskeln und Bindegewebe schwächer werden und somit die Haltestruktur im Beckenboden unstabil wird. Belastungen wie schweres Heben und Tragen, chronischer Husten oder häufige Verstopfungen können ebenfalls den Beckenboden schwächen. Eine vaginale Geburt kann auch den Beckenboden schwächen. Frauen mit starkem Übergewicht haben häufiger eine Genitalsenkung.

Es werden vier Stufen der Senkung unterschieden:

• Grad 1: Die Organe sinken nur leicht ab.
• Grad 2: Die Organe sind bis zum Scheideneingang abgesunken.
• Grad 3: Die Organe treten aus der Scheidenöffnung aus.
• Grad 4: Scheide oder Gebärmutter treten komplett aus der Scheidenöffnung heraus.

Etwa jede zweite Frau mit leichter Beckenbodensenkung (Grad 1 oder 2) hat zusätzlich eine Blasenschwäche. Sie wird auch Belastungsinkontinenz genannt, weil die Blase etwa beim Niesen, Husten oder Lachen dem Druck nicht mehr standhalten kann und ungewollt etwas Urin abgeht. Frauen mit einer Senkung des 3. oder 4. Grades haben dagegen eher Probleme, die Blase zu entleeren, weil durch das Absinken der Organe die Harnröhre abknicken kann.

Nicht nur nach einer Geburt ist regelmäßiges Beckenbodentraining zu empfehlen. Es ist grundsätzlich hilfreich, die Muskeln des Beckens zu kräftigen und den Beckenboden zu festigen. Nach einer Geburt kann Rückbildungsgymnastik den Beckenboden wieder stärken. Manchmal wird empfohlen, keine schweren Sachen zu heben und zu tragen, um den Beckenboden zu entlasten. Auch die Behandlung von chronischem Husten und Verstopfung soll den Druck auf den Beckenboden verringern. Eine Gewichtsabnahme kann eine Senkung verhindern.

Behandlung
Neben dem bereits bekannten Beckenbodentraining kommen häufig Pessare als Hilfsmittel zum Einsatz. Das sind kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon, die vaginal eingeführt werden, um die Organe im Becken zu stützen. Dies ist eine häufige gewählte Methode bei jüngeren Frauen mit leichten Beschwerden. Als dritte und nicht konservative Möglichkeit bleibt ein operativer Eingriff, bei dem die Organe im Becken angehoben und stabilisiert werden, sodass sie nahezu in die herkömmliche Position zurückversetzt werden.

Die exakte und sorgfältige Diagnostik einer vorliegenden Beckenbodenschwäche, insbesondere bei Senkungsbeschwerden und Harninkontinenz, ist die Grundvoraussetzung für die weitere therapeutische Empfehlung in der urogynäkologischen Spezialsprechstunde.

Herr Dr. med. Truong, Si Tuan

Dr. med. Si Tuan Truong

Chefarzt

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gynaekologie@hospital-papenburg.de

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie
Schwerpunktbezeichnung Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Spezielle operative Gynäkologie
Schwerpunkt Urogynäkologie


 

 

 
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