10.01.2022

Cannabinoide in der Schmerztherapie

ein Artikel geschrieben von Dr. med. Ludger Kämmerling, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin im Marien Hospital Papenburg Aschendorf

Seit nunmehr fast fünf Jahren ist die Verordnung von Cannabis zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen etabliert. Seither hat sich ein lukrativer Markt entwickelt, der vermutlich durch die angestrebte Legalisierung von Cannabis weiter expandieren wird. Medizinische Cannabinoide enthalten - wie das natürliche Cannabis -Tetrahydrocannabinol, wenngleich die Zusammensetzung der medizinischen Cannabispräparate insgesamt vom natürlichen Cannabis abweicht.
Jeder Mensch bildet sozusagen im Eigenverbrauch im zentralen Nervensystem Endocannabinoide nach. Diese nehmen eine zentrale Rolle als Signalsystem zwischen Nervenzellen ein. Ihre Wirkung entfalten Cannabinoide über Rezeptoren, diese entsprechen Bindungsstellen für chemische Botenstoffe. Über dieses Schlüssel-Schloss-System erfolgt die Signalweitergabe von Nervenimpulsen zwischen den Zellen. Cannabinoide verstellen über diesen Mechanismus die Ansprechbarkeit und Empfindlichkeit im Leitungssystem der Nervenzellen.

Das köpereigene Cannabinoidsystem ist entwicklungsgeschichtlich sehr alt und ermöglicht sozusagen ein „Feintuning“ der Reizweiterleitung, welches im Körper viele Vorgänge ausgleicht und in der Balance hält. Dieses System übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben, unter anderem:

  • Minderung der Schmerzweiterleitung
  • Verminderung von Stressreaktionen, die bei der Schmerzentstehung auftreten
  • Regulation der Appetitsteigerung und Aktivierung von Stoffwechselvorgängen, wichtig in der Tumortherapie
  • Es wirkt angstlösend und dämpft überschießende Entzündungsreaktionen im Zentralnervensystem
  • Dämpfung des Schmerzgedächtnisses bei chronischen Schmerzen

Der anfängliche Hype um die Verordnung der Cannabispräparate hat sich ein wenig gelegt. Manch ein Patient und Arzt musste die Erfahrung machen, dass medizinisches Cannabis kein Allheilmittel ist. Ein Ersatz für die etablierte Therapie mit stark wirksamen Morphinpräparaten ist Cannabis nicht. Allerdings gelingt es häufig durch die Kombination mit Cannabistropfen die Dosis und die unerwünschten Nebenwirkungen von Opiatpräparaten herabzusetzen. Cannabis bewirkt meist nur eine Distanzierung vom empfundenen Schmerz, durch besseren Schlaf, Herabsetzung der Stressreaktion und einem allgemein positiverem Lebensgefühl.

Natürliches Cannabis enthält unterschiedliche Substanzen des Tetrahydrocanabinols (THC), die aber im medizinischen Cannabis nicht vorkommen. Die berauschende Wirkung des inhalierten THC kommt vornehmlich durch die extrem hohe Aufnahme des THC in der Lunge zu Stande, was zu einem sehr hohen THC-Spiegel im Blut führt. Dies ist bei der Einnahme von medizinischen Tropfen, zum Beispiel Dronabinol, nicht zu erwarten. Dronabinol-Tropfen sind eindeutig die am häufigsten angewandten Präparate, da deren Wirkstoffgehalt und die Aufnahme in den Körper über den Magen-Darm-Trakt relativ stabil kalkulierbar sind.

Auf dem Markt erhältlich sind ebenfalls synthetisch hergestellte Cannabinoide, die bisher häufig in der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien eingesetzt wurden. Auch diese finden in der schmerztherapeutischen Behandlung einen Einsatz, da sich die Wirkung kaum von den natürlich hergestellten Präparaten unterscheidet.

Die Legalisierung von Cannabis wird in medizinischen Kreisen sehr kontrovers diskutiert. Insbesondre Kinder- und Jugendärzte warnen davor, denn der regelmäßige Cannabiskonsum, speziell im jugendlichen Alter, verändert viele Stoffwechselprozesse im Nerven- und Hormonsystem des Körpers. Dosisabhängig lassen sich diese Prozesse unter Umständen nicht wieder rückgängig machen.

Herr Dr. med. Kämmerling, Ludger

Dr. med. Ludger Kämmerling

Chefarzt

Telefon: 04961 93-1351
anaesthesie@hospital-papenburg.de

Facharzt für Anästhesiologie
Zusatzbezeichnung Intensivmedizin
Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie


 

 

 
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